Donnerstag, 7. September 2023

Abendlicher Besuch von Fischern

Wir saßen gemütlich vorm Wagen als sich plötzlich auf dem Weg was tat. Mit einem Roller, einem Fiat Panda und später mit einem runtergerocktem Benz trafen mehrere albanische Fischer ein, die noch Nachtfischen gehen wollten.

Der Benz hatte die besten Tage hinter sich, setzte bei der Fahrt mehrmals hörbar auf und war für die Fischer einfach ein Nutzgegenstand um von A nach B zu kommen.

Nach ca. einer Stunde kamen sie alle zurück und wir bewunderten das Werk in ihrer Plastikwanne. Stolz zeigten sie uns auch den "Electric-Fish", der wohl Stromstöße absondern kann. Eine Google-Lens Suche erklärte uns später, dass es sich um einen "gefleckten Zitterrochen" handelte.

Sie schenkten uns sofort fünf der Fische und zogen dann mit einer Dose deutschem Krombacher Pils als Gegenleistung von dannen, die der Fahrer des Benz sofort für die Fahrt öffnete.

Den Zitterrochen brachten wir direkt wieder zum Meer, nachdem alle Fischer weg waren. Er bewegte sich noch und wir hatten die Hoffnung, dass er einfach weiterleben kann. Christian machte dann unseren anderen noch lebenden Fischen mit unserem Heckklappen-Ständer aus Holz den garaus. Eingepackt in Tüten wanderten die Fische erstmal in unsere Kühltruhe, morgen versuchen wir uns an der Zubereitung.

Sonnenuntergang und Burger braten

Wir nahmen nach Ankunft die Stühle, jeder ein kühles Pils und ab ging es zum Strand. Die Sonne ging langsam unter und wir chillten hier ein wenig.

Das zweite Pils war bald notwendig und als die Sonne verschwunden war, gingen wir wieder hoch zum Wagen um unsere heutigen Burger zu braten.

Die Burger-Patties hatten wir heut im Spar-Markt gekauft, Gurken hatten wir leider keine gefunden, aber Tomaten, Käse und Ketchup funktionierten auch.

Gut gesättigt nahmen wir dann vorm Wagen Platz und machten es uns beim Schein der Petroleumlaterne und Musik gemütlich.

Endlich am Meer und Schlafplatzsuche

Nach der Pulserhöhenden Abkürzung über die Brücke ging es rauf auf einen Bergkamm, um auf der anderen Seite eine Landzunge zu erreichen. Hier sollen ein paar Übernachtungsplätze zu finden sein.

Oben auf dem Kamm konnten wir einerseits noch einen Blick zurück auf Shkodra und den Skadar-See nehmen, anderseits erstmalig auf unserer Tour das adriatische Meer sehen.

Dann ging es immer weiter hinein in die Landzunge und wir fuhren ein zwei Plätze an, ehe wir unseren heutigen Platz am Meer fanden.

Eine sandige, aufgerissene und buckelige Lehmpiste ging es runter zum Meer. Hier unten fanden wir sogar einen ebenen Platz der relativ komplett gepflastert war. Einziger Wehrmutstropfen war der viele Müll überall, am Strand und auch am Platz. Hier wird noch achtlos weggeworfen, was nicht mehr benötigt wird.

Zum Strand mussten wir nur 20m eben den Weg runter, perfekt um das erste Pils dort bei Sonnenuntergang zu trinken.

Abenteuerliche Abkürzung

Die Route Richtung Ziel am Meer zeigt 1:25 Std. für noch 40km Strecke. Vor uns staut sich der Verkehr und wir suchen nach Alternativen.

Also rechts ab, auf noch schmalere Straßen. Dann teils durch dicht bewachsene Schotterpisten. Google Maps gibt hier auf, wir wechseln auf OSM Karten.

Eine Brücke noch, dann können wir die Bergkette rauf zum Meer...

Und dann standen wir etwas schockiert davor. Die Brücke die wir vorfanden war eine sehr alte Hängebrücke aus Metall, die Fahrbahn bestand aus Holzbohlen, die teils locker waren. Alles wackelte und quietschte. Wir beide stiegen aus und gingen ein paar Meter auf die Brücke. Ein paar hochstehende Bohlen drückten wir herunter, sprangen mal auf und ab und diskutierten dann im Wagen über die Überfahrt. 

Kaum breiter als der Wagen war sie, aber die Straße und auch das Holz sah regelmäßig befahren aus. Wenn sie tatsächlich baufällig wäre, müsste sie ja schon eingestürtzt sein, so unsere ermutigende Theorie. :-)

Wir versuchten also unser Glück, auf den ersten Metern schon senkte sich die Fahrbahn dramatisch unter unserem Gewicht, es handelte sich ja um eine Hängebrücke. Wir fuhren weiter im Schritttempo, ich ließ einfach das Standgas laufen und unter lautem Quietschen und Knarzen hielt alles. Geschätzte 6 Meter ging es beidseitig runter, was ich ehrlich gesagt erst nachher auf den Videos sah, denn mein Blick beim Fahren richtete sich nur nach vorn. Der Puls war hoch und wir waren heilfroh, heile drüben angekommen zu sein.
 
Ein paar Fotos stammen von der Action-Cam auf dem Dach, die ich extra aktiviert hatte. Eine sehenswerte Aufnahme, vor allem mit der Geräuschkulisse dazu.

Kurzer Einkauf

Unsere Vorräte an Lebensmitteln und Bier neigten sich dem Ende und wir suchten einen Lebensmittelladen.

Auf der Strecke trafen wir auf einen Spar-Markt, der allerdings keine Gemüsetheke hatte. Anscheinend gibt es sowas hier nicht, denn an jeder Ecke wird Gemüse von den Einheimischen verkauft.

Gestärkt mit einem Stieleis und dem Einkauf fuhren wir weiter, hielten kurz mal für Tomaten und Kartoffeln und weiter ging es Richtung Meer.

Durchfahrt Shkodra

In Shkodra angekommen waren wir sofort im Chaos, zumindest könnte man den Verkehr so nennen. Alles ist ein Geben und Nehmen, da wird auch schon mal vierspurig aus einem Kreisverkehr abgebogen und alle müssen sich arrangieren. 

Natürlich ist man hier unter Dauerstrom, um den Verkehr zu beobachten, aber irgendwie war mir das lieber als diese Passstraße. Und es klappt ja auch erstaunlich gut. Wenn man es mit dem Verkehr in Deutschland vergleichen müsste, könnte man für alle Länder hier unten sagen, dass keiner egoistisch im Verkehr denkt. Wenn ich eine halbe Länge vorne bin, lässt man mich halt rein. In den vielen doppelspurigen Kreisverkehren schaut auch jeder auf den anderen, so dass alles flüssig vonstatten geht. In Deutschland ist oft nur die ICH-ZUERST-Mentalität vorhanden und nichts geht mehr...

Shkodra selbst hat sicherlich ein paar schicke Ecken, Einkaufstraßen gibt es auch mit kleinen Cafés und so weiter. Einladend für uns war es aber nicht unbedingt, zumal hier alle schon in zweiter Reihe parkten und das Chaos perfekt machten.

Wir fuhren also durch den Ort und wollten eigentlich hoch zur Burg, die auf einer Anhöhe steht. Aber nach einer Umrundung der Anhöhe fanden wir auf die schnelle keinen schönen Parkplatz mit Aufgang und wir hätten relativ weit laufen müssen. Bei sonnigen 30 Grad ließen wir das aus und bewegten uns weiter Richtung Süden zu einem möglichen Nachtplatz.